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Brief aus dem Garten

Liebe Gartenbegeisterte!

 

Wenn man in einer Region schon sehr lange verwurzelt ist, wenn man schon so einige Zeit damit verbracht hat die Erde dort behutsam und milde zu bearbeiten, Zentimeter für Zentimeter jede Zaunwindenwurzel daraus entfernt hat, man  jede typische  Wolkenformation am Himmel kennt und interpretieren kann, die ganz eigenen regionalen Gerüche kennt und deuten kann, dann spürt man auch, wann die erste Frostnacht sich heranschleicht.  

Klar, Linda Zervakis macht schon mal eine grobe Ansage um 20:15 wie das Wetter im Großraum Hamburg so wird, doch die kleinen feinen Unterschiede arbeitet man sich über die Jahre Stück für Stück selbst heraus. Da gibt es auf jedem Grundstück Schattenbereiche, kleinere Mulden oder Gewässerränder. Alle jeweils für sich ein kleines Biotop mit besonderen klimatischen Bedingungen.

Mal ist es der Lichteinfall, mal das Blätterdach eines schönen prächtigen Laubbaumes, mal die Wärmespeicherung einer derben Natursteinmauer oder eben auch der ausgeprägte Charakter eines Bodens.  Schnell war mir klar, in der Nacht vom 17. auf den 18.9.2020 könnte es bei uns im Moor zu einem Nachtfrost kommen. Tatsächlich, es war dann der früheste Nachtfrost an die ich mich erinnere.

Weiß glitzernder Rasen, hart gefrorene Dahlienblätter, Rosenblüten mit Eispanzer. Jedem leidenschaftlichen Gärtner stockt bei dem Anblick der Atem.
Ich bin aber fest davon überzeugt, auch Pflanzen haben Sinne und sogar einen 7. Sinn. Können sich sozusagen auf Extreme vorbereiten. Sensoren melden das Unheil früh und schon beginnt die Pflanze z.B. eine Art Frostschutzmittel zu produzieren oder Gifte, die Schädlinge bzw. Krankheiten abwehren. Dabei werden Sie auch von Ihren „Nachbarn“ unterstützt. Weckt die eine Pflanze die andere schon mal auf.
Manche verpennen nämlich auch so ziemlich alles um sich herum.

 
Weil sie grad so schön sind, sich selbstverliebt sonnen!

 

Dann müssen heftige Impulse gesendet werden, elektromagnetische Signale über das Wurzelsystem oder besondere Gerüche werden über das Laub abgegeben.

Es laufen schon mal die Drähte heiß!  Hilfreich ist auch eine Liebesbeziehung mit einem Bodenpilz. Das Pilzfadengeflecht reicht mitunter über mehrere hundert Meter weit. Ein perfektes System für geheime Botschaften.

Das darknet befindet sich eigentlich im Boden!
Zurück zur ersten Frostnacht. Letztlich ist alles gutgegangen. Widerstandsfähige Pflanzen am passenden Standort mit einem vitalen Boden, dazu eine Spur Gottvertrauen.

So schläft es sich besser.

Wenn Sie sicher gehen wollen bei Ihrer Pflanzenauswahl, dann wenden Sie sich unbedingt an Ihren Lieblingsgärtner. Eine Plauderei mit Professor Doktor Josef Sieber wäre auch hilfreich gewesen. Leider ist der „Rosenprofessor“ und Staudenspezialist 2011 verstorben. Er hat uns gemeinsam allerdings etwas besonders Hilfreiches hinterlassen:
Seine Beschreibungen über die natürlichen Lebensbereiche von Stauden sind für Sie ein besonderer Ratgeber und tolle Unterstützung in der Planung und Umsetzung für langlebige, prächtige Staudenrabatten oder Pflanzkombinationen. In seinen klugen Überlegungen bzgl. optimaler Standortbedingungen für Stauden berücksichtigte er folgende Lebensbereiche:

Gehölz (G)
Gehölzrand (GR)
Freiflächen (Fr)
Freiflächen – Steppenheide (SH)
Freiflächen – Heide (H)
Steinanlagen (St) mit weiteren Spezifikationen
Lebensbereich Alpinum (A)
Lebensbereich Beet (B)
Lebensbereich Wasserrand (WR)
Lebensbereich Wasser (W)

Der Lebensbereich Gehölz (G) z.B. ist grundsätzlich ein Standort mit lichtem Schatten bis Halbschatten. Dann erfolgt die Unterscheidung bzgl. des Bodens. G1 wäre ein trockener Boden, G2 ein frischer und G3 ein feuchter Boden. Der Hinweis, daß humusreiche Böden generell bevorzugt werden, erfreut mich und ist so logisch. Daher: Herbstlaub liegenlassen, nicht entfernen! Klar doch.
Verwendung: Gehölzunterpflanzungen, absonnige Hauswände/Mauern, Gebäudenordseiten.
Der Lebensbereich Beet (B) ist mit hoher Wahrscheinlichkeit häufiger anzutreffen (B1 bis B3). Das Kennzeichen sind sonnige bis absonnige Lagen mit Böden von trocken bis feucht. Für diese Prachtstauden ist ein humoser, nährstoffreicher Boden ein Muss. Der Hinweis, dass manche Arten pflegeintensiv sind soll Sie nicht erschrecken, sondern Ihre Neugier wecken.
Die oben genannten Abkürzungen sind absolut gebräuchlich und verlässlich. Sinnvollerweise sind diese Pflanzen in Übereinstimmung ihrer Verwendung bei Ihrem Gärtner so gekennzeichnet und auf den Verkaufstischen vorsortiert. Das macht den Einkauf zu einem Hochgenuss.

Nun könnten Sie ja bis zum nächsten Frühling warten, die Lücken in Ihrem Vorgarten zu schließen oder das lang geplante Prachtstaudenbeet anzulegen. In jedem Fall ist es sinnvoll entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Sozusagen die Kinderstube zeitig herzurichten. Geburtsvorbereitung betreiben. Leider sind die Geburtsvorbereitungskurse in Ihrer Lieblingsgärtnerei ja dieses Jahr einem unvorhersehbaren Ereignis zum Opfer gefallen. Wobei, meine Seminare befassten sich ja thematisch mehr mit der Pubertät eines Rasens zum Beispiel.

 „Herr Preuß – mein Rasen und ich, wir verstehen uns nicht mehr! Er ist ungepflegt, voller Moos und Unkraut.

Lässt sich einfach so hängen. Dazu noch diese „Pickel"!
Das wäre dann das Rasenseminar.

 

Über die klaren Vorteile der Herbstpflanzung von Stauden und Gehölzen (das Anwachsergebnis ist nicht zu übertreffen) habe ich ja an dieser Stelle schon  berichtet.
Den Applaus Ihrer Nachbarn, die Komplimente für eine gute Kindergartenstube, für Ihre Grünen Daumen unterbrechen Sie mit dem Ausruf:  „Ja. Das ist alles auf meinem eigenen Mist gewachsen!“
Je größer der Misthaufen eines Landwirtes früher, desto reicher seine Ernte. Denn wer genügend dieses Naturdüngers besaß, brauchte nichts hinzukaufen und konnte alles auf seinem eigenen Mist wachsen lassen. So war einst der Misthaufen ein Statussymbol – heute wären dies sinnbildlich die Oscorna Beutel Animalin, Rasaflor und Oscorna Bodenaktivator in Ihrem Einkaufswagen. Die mit Abstand sinnvollste Ergänzung bei Ihrem Pflanzeneinkauf. Nicht der Porsche in der Garage macht Eindruck! Ein schöner Stapel Oscorna Säcke. J

In Boettners Gartenbuch von 1958 steht, ich zitiere:
„Kennst du Misterde, lieber Anfänger? - Nein? Schade! Diese Misterde sollte nämlich im Garten eine Rolle spielen und wer etwas von Misterde versteht, ist schon ein halber Gärtner. – Vielleicht ist dir Pariser Schnupftabak bekannt. Er hat zwar mit der Gärtnerei nichts zu schaffen, aber gerade so wie der Pariser Schnupftabak sieht gute Misterde aus: Sie ist eine dunkle, mürbe, gleichmäßig feuchte, bröckelige Masse, die sich samtartig weich und milde anfühlt.  ……

Wer ein tüchtiger Gärtner werden will muß immer zuerst lernen, daß der größte Teil aller Erfolge auf der guten Beschaffenheit des Bodens beruht. Manches andere, was der Ungeweihte für sehr wichtig hält, ergibt sich dann ganz von selbst. 
Zitat Ende.“

 

Dazu ein kleiner Ausflugtipp:
Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Damm 38-46
in 26135 Oldenburg, Tel.: 0441/40570-300 museum@naturundmensch.de zeigt eine Sonderausstellung:

Die dünne Haut unserer Erde – Unsere Böden.

Packen Sie unbedingt Ihre Kinder bzw. Enkelkinder mit ein und besuchen Sie diese phantastische Ausstellung.
Mit einer Virtual-Reality-Brille können Sie dort z.B. in die Bodenwelt abtauchen und begegnen Springschwänzen, Hornmilben, Weißwürmern und einem Hundertfüßer auf Augenhöhe. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17.1.2021. Dann widmet sich der Gärtner ja auch schon wieder seinem ganz eignen Boden. Nach dem Ausstellungsbesuch werden Sie vermutlich auch erkennen, dass Ihr Garten nur ein winziges kleines Puzzleteil ist. Doch damit tragen auch Sie Verantwortung für ein kleines Stückchen MutterErde.

 

Etwas ungläubig schaute ich drein, als im Mai die Dahlien des letzten Jahres wieder austrieben. Der Winter war so mild, daß sie im Boden überlebt haben. Das hatte weniger mit Gottvertrauen zu tun. Reine Faulheit und ein Mangel an richtigen Überwinterungsplätzen. Dazu die Neugierde jährlich das Dahliensortiment näher kennenzulernen.  Aber mal ganz ehrlich, ist das Wiederaustreiben jetzt so einmaligerstmalig? Wenn man in der Vergangenheit grundsätzlich die Dahlien aus der Erde genommen hat, dann blieben eben auch die kleinen „Wunder“ dieser Art aus. Milde Winter gab es sicherlich auch schon früher.  Apropos Dahlien. Sind sie so mit jeder Farbe im Garten einverstanden? Ich habe ein leicht gespaltenes Verhältnis zu der Farbe Gelb. Narzissen! Ohne Narzissen kein Frühling! Das passt.                

Eine der wirklich schönsten gelben (kräftiggelborangeleuchtend) Rosen ist die Sorte `Graham Thomas´. Aber nur genau 1 Jahr hielt ich es aus mit ihr. Zu dominant und souverän diese Farbe.
Nun hat uns ein Dahlienzüchter dieses Jahr etwas „Falsches“ in die Tüte gesteckt. Statt einer diskreten, tiefdunkelroten Pompondahlie, eine p..ssgelbe Kaktusdahlienknolle. Vermissen Sie etwas Derartiges? Dann melden Sie sich. Kaktusdahlie abzugeben – kostenloser Versand innerhalb Deutschlands.

Das Gemüsegärtnern hat ja dieses Jahr eine ungeahnte Renaissance erlebt. Selbstversorgung aus dem Hochbeet!

Bereits im Frühjahr 2020 habe ich ja ein wenig über weitverbreitete Gartenmythen philosophiert und jetzt mit dem Herbst möchte ich kurz etwas zum Umgraben schreiben. In meiner früheren Heimatregion wäre es einst schier undenkbar gewesen, hätte man nicht seinen Garten (nicht nur die Gemüsebeete, sondern auch bei den Rosen, Stauden etc.) spätestens bis zum Soundsovielten im Oktober UMGEGRABEN! Mindestens grobschollig, bestenfalls noch rechtwinkelig akkurat. Der Soundsovielte muß mit größter Sicherheit ein kirchlicher Feiertag gewesen sein!

Aber weder der Namenstag des hl. Kastulus (sein Attribut ist der Spaten) am 26.3. noch der Namenstag des hl. Fiacrius (er ist der Schutzheilige der Gärtner, Kutscher und Taxifahrer!) am 30. August passen in diesen Zeitraum. Das Attribut des hl. Fiacrius ist ebenfalls Schaufel und Spaten.


Umgraben hört sich nach Rücken an. Und genauso wie es bei falscher Arbeitshaltung und mangelhaften Werkzeug schnell zu Rückenschmerzen bei der Ausübung kommt, fügen Sie Ihrem Boden und dem Bodenleben ebenfalls Schmerzen zu. Dieses Erdbeben, welches Sie dort anrichten, zerstört die kostbaren Bodenstrukturen und zerrüttet unheilbar wertvolle Lebensgemeinschaften. Greifen Sie lieber zu einem Sauzahn oder einer Grabegabel zur Bodenlockerung.

 

Hobbygärtner beim Umgraben seines Hochbeetes schwer gestürzt…

Entschuldigung, mein Kopfkino war grad an!

Ich wünsche Ihnen einen besonders farbenprächtigen Herbst. Genießen Sie die Hokaidokürbissuppe aus eigener Ernte.  Auf das die letzten Tomaten noch süß reifen und das Strauchbasilikum bis weit in den Oktober hinein die Bienen mit köstlichem Nektar versorgt!

Bleiben Sie gesund.

 

Viele Grüße in Norddeutschlands Beete, Schalen und Blumentöpfe und Kübel.

Gerhard Preuß

 

Der Brief aus dem Garten ist eine private Initiative von
Gerhard Preuß
Buxtehuder Straße 49
21629 Neu Wulmstorf

 

Ihr

Gerhard Preuss

Oscorna Naturdünger

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